Deutsch-russischer Schulaustausch
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Worum es geht … Drucken

Unser Projekt befasst sich mit der Fragestellung, wie Jugendliche mit und ohne dem sog. Migrationshintergrund ihren Schulalltag in den multikulturellen Gesellschaften Deutschlands und Russlands erleben und wie sie mit Konflikten umgehen, die vermeintlich oder tatsächlich mit ihrer unterschiedlichen Herkunft zu tun haben.
Während der ersten Begegnung in Hamburg beantworten sich die Jugendlichen gegenseitig die Frage „Woher kommst du?“ und ergründen die Einflüsse, die ihre unterschiedliche Herkunft auf ihr aktuelles Leben und ihre Umgebung hat. In der Folge dieser Erzählungen und Überlegungen erstellen die Jugendlichen im Laufe des Projekts Lebensgeschichten, die als Buch gesammelt und veröffentlicht werden.

Zusätzlich durchlaufen die Jugendlichen während dieser ersten Begegnung ein dreitägiges Training, in dem sie Techniken im Umgang mit oben beschriebenen Konflikten kennen lernen und ausprobieren. Sie werden zu Schülertrainern und -trainerinnen ausgebildet und erhalten hierüber ein Zertifikat. Es entsteht ein zweisprachiges Methodenhandbuch, das Grundlage der Trainings ist, die die Jugendlichen in der zweiten Projektphase selbst durchführen, um ihre Erfahrungen weiterzugeben und die Methode zu multiplizieren.

Die Erfahrungen, die sie während der Seminare gemacht haben, tauschen sie am Ende der letzten Projektphase in einer Open-Space-Veranstaltung in Wolgograd aus. Gleichzeitig werden aller Voraussicht nach neue Vorhaben zur Weiterentwicklung des Projekts formuliert. Außerdem werden die Jugendlichen ihr Buch sowie das Methodenhandbuch der interessierten Öffentlichkeit präsentieren.

Die Zielgruppe des Projekts sind Schüler und Schülerinnen der St.  Pauli Ganztagsschule und der Schule Nr. 3 in Wolgograd (Traktoren Stadtbezirk). Jeweils 10 Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund bilden die deutsch-russische Initiativgruppe. Sie kommen aus Deutschland, dem Ex-Jugosloawien, Russland, Ecuador, Polen, aus Aserbaidschan, Armenien, dem Kaukasus und Usbekistan; sie leben entweder seit eingier Zeit in Hamburg, beziehungsweise Wolgograd oder sind bereits dort geboren. Für diese Initiativgruppe, die sich erst einmal mit sich selbst beschäftigt, ist die Frage impulsgebend „woher kommst du?“ Sie bezieht sich auf den Ort, den die Jugendlichen selbst oder ihre Eltern und Großeltern einst verließen. Daran schließt sich die Frage „was bringst du von dort mit?“ Die Gruppe erforscht die Frage nach Identität ­und versucht, sich über das Verhältnis von „geprägt werden“ und „prägen“ klar zu werden („was prägt uns?“ und „was prägen wir?“). Neben einem nationaltypischen Bewusstsein für die jeweiligen Normen können weitere Quellen kultureller, moralischer und ethischer Werte offengelegt werden, die für die Identitätsbildung der Jugendlichen eine nicht minder wichtige Rolle spielen – wie z.B. die soziale Lage der Familie, Beruf und Bildung oder Wissen um die Familiengeschichte während des zweiten Weltkriegs.
Die Gruppe reflektiert darüber, wie es sich in einer multinationalen Gesellschaft als Migrant/in und Nichtmigrant/in lebt. Fühlen die Jugendlichen überhaupt, dass sie Migranten respektive Nichtmigranten sind? Wenn ja, was ist daran besonders? Nehmen sie sich als Fremde/Einheimische wahr? Wenn nicht sie selbst, tut es jemand anderes? Ist das wichtig? Wie ist das? Unterscheiden sie selbst Einheimische von Fremden? Was prägt sie ihrer Meinung nach? Wie ist das in der Schule? Wie ist das außerhalb der Schulmauern? Besondere Aufmerksamkeit kommt dem Umstand zu, dass diese Zusammenhänge über den deutschen und russischen Tellerrand hinaus und in direktem Austausch miteinander behandelt werden.
Die Initiativgruppe setzt ihre Auseinandersetzung über das Eigene und das Fremde während des Spielseminars praktisch fort. Moderiert von Uli Nehls (assistiert und gedolmetscht von Constanze Stoll) erleben die Jugendlichen in beispielhaften Situationen die Grundmuster von Konflikten (Angst und Verlust), ertasten die Spielräume alternativer Deutungsmöglichkeiten und rekapitulieren Wege, die erlauben, das Kostbare zu wahren.
 
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