| Was ist eine Geschichtswerkstatt? Wie wird gearbeitet? |
| Geschrieben von: Elena Ogarkowa |
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Die Zusammenarbeit von Studenten und Doktoranden aus Wolgograd, Hamburg und Bremen, die den aktuellen Stand der Erinnerung an die Schlacht von Stalingrad analysieren wollten, hat sich als interessant und (wie alles Neue) kompliziert erwiesen. Erstaunlicherweise rief schon die Bezeichnung „Geschichtswerkstatt“ eine große Anzahl kritischer, ja sogar ironischer Bemerkungen hervor. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass das Wort „Werkstatt“ etwas mit den Händen Gemachtes, überhaupt eine bestimmte „Gemachtheit“ und die Orientierung an einem Muster, das im Voraus bekannt ist, assoziieren lässt. Aber so war es nicht. Die deutschen und russischen Projektteilnehmer interpretierten diese Arbeitsform als schöpferische, freie, kreative Tätigkeit, als spezifische Atmosphäre in den Werkstätten der großen Künstler und Denker der Vergangenheit.
Die Teilnehmer aus Wolgograd haben folgende Organisationsprinzipien der Werkstatt als positiv bewertet:
Es war wie eine wunderbare Verwandlung – es entstand das Gefühl, dass man die anderen versteht und dort, wo man nicht gleich denkt, wenigstens die Meinung der Werkstatt-Partner respektiert. Die beständige Zusammenarbeit in einer Gruppe, in der jeder Teilnehmer zum gemeinsamen Resultat beiträgt, kann als positiv, effektiv und nutzbringend bewertet werden. Aber zugleich sollte man auch einige Schwierigkeiten erwähnen, die nicht durch die Organisation der Werkstatt-Arbeit, sondern durch unsere Stereotypen und unsere Verhaltensmuster
Es gab einige Probleme, die man künftig lösen muss. So entstanden z.B. einige Kommunikationsschwierigkeiten, und zwar bei der Definition von Termini und der Interpretation einiger Aussagen und Urteile, obwohl die deutschen Projektteilnehmer über gute Russischkenntnisse verfügten. Bei der Durchführung derartiger bilingualer Projekte, bei denen geschichtliche, soziologische, psychologische und kulturelle Probleme behandelt werden, könnte ein qualifizierter Dolmetscher hilfreich sein. Eine der Schwierigkeiten bestand darin, dass man sich nicht einig war in der Frage, ob grundlegende oder erweiterte Kenntnisse über ein Ereignis erforderlich sind, wenn man vorhat, Erinnerungen an dieses zu untersuchen. Ein Projekt, dessen Forschungsgegenstand Museen sind, sollte mit diesen Museen aktiver zusammenarbeiten. Und letzten Endes drängt sich die Frage nach den Altersgrenzen dieser Jugend-Werkstatt auf. Der Altersunterschied von 10-15 Jahren ist relevant, denn es geht um Überzeugungen und Irrtümer, die vor und nach dem Zerfall der UdSSR und dem Fall der Berliner Mauer entstanden sind. Allerdings haben die Altersunterschiede das Projekt umso interessanter und seine Resultate umso unvorhersehbarer gemacht. |